Raum 3

DAS BÜRO

Raum 3 | Das Büro | Was habe ich erlebt?

Wie haben Sie den Raum auf sich wirken lassen?

Was hat Sie zuerst angezogen?

Wie haben Sie entschieden, wie Sie Ihre Suche beginnen?

In diesem Raum war Orientierung nur teilweise eine Frage des Sehens oder der Bewegung, sondern besonders auch der Aufmerksamkeitslenkung.
Der Raum wirkte vielleicht unruhig. Viele Objekte, viele Hinweise, viele mögliche Ansatzpunkte – ohne klare Gewichtung.

Vielleicht hatten Sie das Gefühl, alles gleichzeitig im Blick behalten zu müssen. Oder nicht zu wissen, was wichtig ist und was ignoriert werden kann. Der Raum forderte ständige Entscheidungen: Wo schaue ich hin? Was lasse ich liegen? Was übersehe ich gerade?

Statt Klarheit entstand Reizdichte.

Raum 3 | Das Büro | Was hat mich aufgehalten?

… volle Regale?

… einander überlagernde Informationen?

… Gleichzeitigkeit?

Was macht das mit Konzentration?

Der Raum kann unproblematisch für Sie gewesen sein, oder voller kleiner Hürden. Nicht ein einzelnes Hindernis hat die Aufgabe erschwer, sondern die Summe eines Raums mit schwer nachvollziehbarer Struktur.
Zu viele (visuelle) Informationen, zu wenig Gradlinigkeit, keine klare Reihenfolge. Dinge lagen nebeneinander, ohne erkennbare Hierarchie.

Solche Situationen kosten Energie, weil sie dauerhaft Aufmerksamkeit verlangen. Jede Entscheidung verbraucht Ressourcen.

Viele neurodivergente Menschen, etwa Menschen mit ADHS, beschreiben als Alltagserfahrung, woran unser Raum vorsichtig anknüpfen will: Die Herausforderung einer Umgebung, die ständig Reize setzt, ohne sie zu ordnen und eines parallelen Innenlebens, das zum Gedankenkarussell werden kann. 

Mara berichtet dazu beispielsweise: „Das nervt mich manchmal sehr! Ich würde diese Gedanken so gerne einmal abstellen. Wie ein inneres Quasseln, dem ich zuhören muss, ob ich will oder nicht, und das meine Aufmerksamkeit buchstäblich verstopften kann“ (ADHS-Erfahrungsberichte auf ADXS).

Raum 3 | Das Büro | Was hat mich abgeholt?

Gab es Momente, in denen sich etwas sortiert hat?

Wann wurde ein nächster Schritt erkennbar?

Gab es Augenblicke, die sich ruhiger angefühlt haben?

Vielleicht gab es Momente, in denen ein Element in den Vordergrund rückte. Als Sie der Raum erlaubt hat, nicht alles gleichzeitig erfassen zu müssen.

Struktur kann dahingehend entlastend sein. Wenn klar wird, was jetzt zählt – und was warten darf. Beispielsweise für Menschen mit ADHS können Dinge wie klare Strukturen, visuelle Reduktion oder eindeutige Prioritäten hilfreich sein, um handlungsfähig zu bleiben und die eigenen Energiereserven zu schützen. 

Unser Raum will aber nicht auf Strategien hinweisen, um Struktur zu erzeugen, sondern auf eine Lebensrealität, deren Herausforderungen besonders bei Erwachsenen oft nicht gesehen werden.

Raum 3 | Das Büro | Was nehme ich mit?

Was kostet Energie, was kann sie geben?

Was bindet Aufmerksamkeit – und was lässt sie los?

Reize kosten Kraft und die Verteilung unserer Energieressourcen sind verschieden.

Der Raum kann vielleicht spürbar machen, dass Überforderung nicht immer laut oder auf den ersten Blick erkennbar ist. Sie entsteht oft dort, wo vieles gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangt. Wo nichts wegfällt. Wo Auswahl, Gewichtung und Priorisierung ständig neu geleistet werden müssen.

Das ist im Alltag herausfordernd, besonders wenn die Umgebung Erwartungen an Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Kommunikation stellt, die mit dem Erleben von neurovierdergenten Menschen oft stark abweichen.

Sieglinde beschreibt in einem Interview über ihr Leben im Autismus-Spektrum: Ich habe insbesondere Schwierigkeiten in der sozialen Kommunikation und Interaktion. Ich tue mich sehr schwer, Smalltalk zu betreiben. Autisten kommunizieren sehr gerne auf der sachlichen und faktischen Ebene. Mir fällt es schwer zu antworten, wenn mich jemand fragt, wie es mir geht oder wie meine Woche verlaufen ist. Das wäre eine wahnsinnig komplizierte Frage, weil ich dann erstmal überlegen müsste, wann fing die Woche an? Heute ist Dienstag, was war seit Dienstag vor genau einer Woche? Oder was war seit gestern, wo die Woche losging? Da würde mein Kopf sehr viel filtern, das kommt nicht intuitiv. Ganz banale Fragen bereiten mir sehr viele Schwierigkeiten“ (Unterwegs mit dem Asperger-Syndrom – Interview mit Sieglinde G.).

Unser Raum stellt keine direkte Entsprechung her, aber er lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie stark unsere Umgebungen – Arbeitsräume, Kommunikationsformen, Erwartungen – davon ausgehen, dass Ressourcen wie Aufmerksamkeit und eine identische Einordnung von Informationen jederzeit verfügbar sind. Und wie schnell Menschen an Grenzen geraten können, wenn diese Annahmen nicht passen.