Im Diorama stand eine vielschichtige Szene im Mittelpunkt. Vor dir lag ein System aus Elementen, Informationen und möglichen Zusammenhängen. Vielleicht war nicht sofort klar, was genau deine Aufgabe ist oder wie die einzelnen Teile miteinander verbunden sind. Du hast Hinweise gelesen, Objekte betrachtet, vielleicht ausprobiert, was sich anklicken oder verändern lässt. Manche Informationen wirkten wichtig, andere nebensächlich. Vielleicht war es schwer zu entscheiden, womit du beginnen sollst. Möglicherweise hast du einzelne Teile sofort verstanden, aber das große Ganze blieb zunächst unübersichtlich.
Vielleicht hast du dich gefragt, ob du etwas übersehen hast. Ob es eine Reihenfolge gibt, die du einhalten solltest. Ob du die Anweisungen richtig verstanden hast. Der Raum war nicht chaotisch wie das Büro. Aber er war dicht. Vieles wollte gleichzeitig deine Aufmerksamkeit und von dir nachvollzogen werden. Vielleicht hast du an diesem Punkt gespürt, wie sehr eine klare Erklärung der Situation und Anweisung zum Umgang damit helfen könnte. Oder wie anstrengend nach vier vorherigen Räumen das weitere Suchen und Sortieren von Gegenständen sein kann.
Im Diorama ging es darum, wie sehr Verständlichkeit davon abhängt, wie Informationen strukturiert und aufbereitet sind, und wie belastend es sein kann, wenn Zusammenhänge zwar vorhanden, aber nicht sofort durchschaubar sind. Viele Elemente standen nebeneinander, ohne dass ihre Beziehung zueinander klar markiert war. Du musstest erneut selbst ordnen, interpretieren und Verbindungen herstellen.
Vielleicht war das für dich gut zu bewältigen. Vielleicht hast du aber auch gemerkt, dass es anstrengend wird, besonders nach vier Räumen, in denen du bereits aufmerksam, konzentriert und aktiv warst. Die Aufgabe im Diorama setzt voraus, dass du noch einmal sortierst, strukturierst und mehrere Informationen gleichzeitig im Blick behältst. Für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen kann genau das eine Herausforderung sein, weil komplexe Strukturen ohne klare Strukturierung und sich anhäufende Anforderungen zusätzliche Energie kosten.
In vielen Lebensbereichen werden Anweisungen verschachtelt formuliert, Informationen unübersichtlich präsentiert oder mehrere Schritte gleichzeitig erwartet. Wer langsamer verarbeitet, schneller ermüdet oder Schwierigkeiten mit abstrakten Zusammenhängen hat, muss dann mehr Kraft investieren, um denselben Überblick zu gewinnen.
Vielleicht nimmst du aus diesem Raum vor allem eines mit: Wie unterschiedlich Belastung erlebt werden kann. Das Diorama hat von dir verlangt, dass du mehrere Informationen gleichzeitig im Kopf behältst, Zusammenhänge erkennst und Entscheidungen triffst. Nach vier vorherigen Räumen war deine Aufmerksamkeit vielleicht nicht mehr dieselbe wie am Anfang. Oder deine Bereitschaft, sich mit den Aufgaben auseinanderzusetzen, hatte abgenommen.
Vielleicht nimmst du diese Perspektive mit: dass für Menschen, die mit kognitiven Einschränkungen leben, genau das eine alltägliche Erfahrung sein kann. Aufgaben, die dir machbar erscheinen, werden schwierig, wenn Energie begrenzt ist. Jede zusätzliche Unklarheit, jede verschachtelte Formulierung, jeder unnötige Zwischenschritt kosten Kraft.
Vielleicht schaust du nach diesem Raum stärker auf das Verhältnis zwischen Anforderung und Energie:
Wie viel wird gleichzeitig erwartet? Gibt es Pausen? Gibt es klare Schritte? Gibt es Raum, Dinge langsamer zu erfassen?
Weiterlesen: „Christina – zum Umgang mit kognitiven Störungen und Fatigue“ (Link), ein Erfahrungsbericht vom Leben mit kognitiven Störungen als Folge von MS.
Weiterlesen: „Erfahrungen im Umgang mit kognitiven Störungen und anderen Folgen nach einer überlebten Sepsis“ (Link), ein sehr ausführlicher und detailreicher Erfahrungsbericht aus Betroffenenperspektive.