Wir möchten dich einladen, dich durch die verschiedenen Impulsfragen links zu klicken und deine eigenen Erfahrungen im Escape Room in einem größeren Rahmen zu überdenken. Jede Raum-Reflexion bietet Gelegenheit, die links stehenden Fragen unterschiedlich zu beantworten – oder als Frage stehen zu lassen. Zu den weiteren Räumen geht es dann jeweils unter dem Impulsblock.
Du betrittst das Foyer und musst dich zunächst orientieren.
Vielleicht wirkt der Raum offen, vielleicht auch etwas unübersichtlich. Wege sind nicht sofort eindeutig, Übergänge müssen erst gefunden werden. Du bewegst dich durch den Raum, probierst aus, gehst weiter, gehst vielleicht auch einmal zurück.
Möglicherweise hast du kurz gezögert oder überlegt, welcher Weg der richtige ist. Vielleicht war Bewegung möglich – aber nicht ganz selbstverständlich. Der Raum verlangt Aufmerksamkeit und Entscheidungen: Wie komme ich hier weiter? Wo geht es lang?
Das Foyer ist kein Rätsel im klassischen Sinn. Es ist ein Raum, in dem Bewegung selbst zum Thema wird. Der Escape Room insgesamt ist als Abfolge von Räumen gedacht, in denen Alltagserfahrungen von Menschen mit verschiedenen Beeinträchtigungen spürbar werden sollen. Nicht durch Erklärungen oder Fakten, sondern dadurch, wie du dich bewegst, orientierst und entscheidest. Deine Wahrnehmung, deine Irritationen und deine Strategien sollen and die zugrundeliegenden Themen der Räume anknüpfen. Im Foyer beginnt diese Erfahrung.
Im Foyer ging es darum, wie sehr Bewegung von Raumgestaltung abhängt.
Der Raum gibt vor, wie leicht oder wie mühsam Bewegung möglich ist. Schon das digitale Setting hat dich vielleicht aufgehalten: Wie bewege ich mich im digitalen Raum? Wie laufe ich, wie schaue ich mich um? Wie springe ich? Wenn diese Fragen schwer zu beantworten waren, waren vermutlich ansonsten gewöhnliche Wege wie Treppen zu Hindernissen.
Die Wegführung im Raum wirkte vielleicht klar, aber die große Treppe zum Empfangstisch kann schwierig zu überwinden gewesen zu sein. Vielleicht hast du die Treppe letztlich überwinden können – oder vielleicht hast du hinter der Treppe eine Rampe entdeckt, die den Weg nach oben deutlich vereinfacht hast. Vielleicht hast du hier Erleichterung gespürt?
Auch oben, wenn die Treppe überwunden war, hast du vielleicht Hindernisse wahrgenommen, die nicht groß oder dramatisch waren: Kisten im Weg, unklare Übergänge, fehlende Hinweise. Vielleicht waren auch die unklaren Grundrisse an der Wand oder die verschlungenen Treppen im hinteren Bereich des Raums verwirrend.
Solche Situationen erzeugen Unsicherheit. Nicht nur, weil Bewegung vielleicht an sich schwierig ist, sondern weil der Raum keinen eindeutigen Zugang anbietet. Man muss suchen, ausprobieren, Umwege gehen.
Für viele Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen ist genau das Alltag: eine Umgebung, die davon ausgeht, dass bestimmte Wege für alle problemlos nutzbar sind. Zugang wird dann zur Ausnahme – nicht zur Selbstverständlichkeit.
Ein Erfahrungsbericht bringt das so auf den Punkt:
„Es ist zwar ein gutes Unterfangen, wenn die Hamburger Hochbahn eine Haltestelle, wie sie es bewirbt, barrierefrei ausbaut. Wenn aber der Ausbau nur darin besteht, das Niveau des Bahnsteigs auf das Bahnniveau anzugleichen, bringt mir das herzlich wenig – solange der Einbau eines Aufzugs auf sich warten lässt.“
(Link: Leben im Rollstuhl „Locker machen, ich bin ganz normal“)
Das Foyer soll erfahrbar machen, wie Barrieren auch aus der fehlenden Wahrnehmung von Hindernissen entstehen können. Wir wollen dich einladen, darüber nachzudenken, wann du im Alltag, ohne es zu merken, Wege zurücklegst, die für Menschen mit Bewegungseinschränkungen Barrieren darstellen.
Vielleicht nimmst du aus dem Foyer mit, dass Bewegung nicht neutral ist. Dass Räume entscheiden, wer sich selbstverständlich bewegen kann und wer immer wieder neu aushandeln muss, wie ein Raum als Hindernis bewältigt werden kann.
Eine Rollstuhlfahrerin beschreibt, wie selbst kleine Änderungen dazu beitragen können, dass Bewegung und dadurch Teilhabe für sie leichter werden:
Oft sind es nur Kleinigkeiten, die sich ändern müssen, um den Alltag von Menschen mit Unterstützungsbedarf zu vereinfachen, wie z. B. die abgesenkten Randsteine bei einigen Parkbänken […], die es Menschen im Rollstuhl ermöglichen, neben die Bank zu fahren, um Pause zu machen.
(Link: Das Leben im Sauerland aus der Sicht einer Rollstuhlfahrerin)
Das, was im Spiel kurz irritierend oder anstrengend war, ist für viele Menschen Alltag. Barrierefreiheit beginnt nicht bei besonderen Lösungen, sondern bei der Frage: Wer wird bei der Gestaltung von Räumen mitgedacht – und wer nicht?
Weiterlesen: „Reisen mit Rollstuhl„ (Link), ein Blog über Erfahrungsberichte.
Weiterschauen: „Barrierefrei und individuell – Wohnen mit Rollstuhl“ (Link), eine Reportage der ARD Room Tour.