Raum 2

DIE SAMMLUNG

Raum 2 | Die Sammlung | Was habe ich erlebt?

In der Sammlung war es zunächst dunkel. Du hast vielleicht versucht, dich an Ausstellungsstücken zu orientieren, aber die Beschriftungen waren im Dunkeln kaum zu lesen und in einer fremden Sprache. Um das Licht einzuschalten, musstest du einen Schaltkasten aktivieren. Die Knöpfe waren mit willkürlichen Symbolen versehen, die wenig verrieten, wie sie zu bedienen sind. Vielleicht hast du erwartet, dass das Fragezeichen für Hilfe steht, nur um festzustellen, dass es keine Erklärung gibt. Lass dir kurz Zeit, dich daran zu erinnern, wie sich diese Situation angefühlt hat: War es irritierend, verwirrend oder vielleicht frustrierend? Welche Strategien hast du gewählt, um dich zurechtzufinden?

Vielleicht hattest du das Gefühl, etwas zu übersehen. Oder nicht zu wissen, wo du anfangen sollst. Vielleicht hast du ausprobiert, vielleicht geraten, vielleicht systematisch alles nacheinander gedrückt. Der Raum erfordert, mit Unsicherheit umzugehen.

Raum 2 | Die Sammlung | Worum ging es hier?

Dieser Raum thematisiert die Erfahrung, von visuellen Informationen ausgeschlossen zu sein und keine sinnvolle Alternative angeboten zu bekommen. Für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen sind Orientierung und Informationsaufnahme in einer von visuellen Zeichen strukturierten Welt eine tägliche Herausforderung. Gute Beleuchtung, hohe Kontraste, leicht lesbare Beschriftungen oder Alternativen zur visuellen Kommunikation sind Voraussetzungen, damit Situationen gut navigiert werden können.

Der Schaltkasten mit seinen unverständlichen Symbolen simuliert die Situation, in der Zeichen zwar vorhanden sind, aber keine Bedeutung transportieren, er sollte ein Gefühl für das Ausgeschlossenen aus visueller Kommunikation vermitteln, ein Gefühl dafür, sich auf visuelle Informationen nicht verlassen zu können. Vielleicht hast du aus Gewohnheit auf das Fragezeichen oder die Glühbirne für Hilfe oder Tips gedrückt, aber keine Antwort bekommen.  

Wie du dich im dunklen Raum orientiert hast, war der Versuch eines Einblicks darin, wie viel Energie es kostet, wenn die Umwelt keine sinnvollen Alternativen zu einem Informationskanal zur Verfügung stellt. Vielleicht hast du im Raum selbst Strategien entwickelt. Eine Betroffene beschreibt ihre alltäglichen Probleme und ihre Strategien im Umgang damit eindrucksvoll: 

Auch hier zu Hause ist es halt schlecht, wenn ich so an die Kaffeemaschine denke oder den Eierkocher, der so einen kleinen Messbecher dabei hat. Das kann man ganz schlecht sehen. Dann haben sie mir so einen Strich dran gemacht. Erst als sie mir den so richtig dick gemacht haben, klappte das. Das sind alles so kleine Schwierigkeiten. Man muss halt Mut dazu haben immer. Ich laufe auch die Treppen runter und rauf, weil da immer [dieselben] Striche vorne dran sind, die ich mir gemerkt habe.“

(Link: Von der Erfahrung, blind zu sein – ein Interview)

Die Sammlung soll erfahrbar machen, wie schnell Orientierung verloren geht, wenn Informationen nicht zugänglich sind. Und sie lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie oft wir uns im Alltag selbstverständlich auf Zeichen verlassen, die für andere keine Orientierung bieten.

Raum 2 | Die Sammlung | Was hat mich abgeholt?

Gab es Momente von Klarheit?

Was hat geholfen, weiterzukommen?

Haben Sie eigene Strategien entwickelt?

Vielleicht gab es Momente, in denen der Raum sich trotzdem geöffnet hat.

Solche Momente zeigen, dass Handlungsfähigkeit auch dort entstehen kann, wo Orientierung lückenhaft ist. Nicht als ideale Lösung, sondern als individuelle Strategie.

Für viele Menschen gehört genau dieses Anpassen und neu Auslegen zum Alltag. Weil Systeme, die für Klarheit gestaltet sein sollen, zum Hindernis werden.